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Als Holzschädlinge werden Organismen bezeichnet, die
aufgrund ihrer biologischen Eigenschaften in der Lage sind, Holz
zu schädigen oder zu zerstören. In der Regel geschieht dieses im Rahmen
der Nahrungsaufnahme oder der Anlage einer Wohn- oder Brutstätte.
Hierbei wird durch den Abbau organischer Substanz (des Holzes) auch ein
wichtiger Beitrag zur Aufrechterhaltung des Stoffkreislaufes unserer
Ökosysteme geleistet. Die Bezeichnung als „Schädling“
erfolgt, wenn bei dieser Tätigkeit vom Menschen genutztes Holz
betroffen ist, welches dadurch seine Funktionsfähigkeit oder seinen
Wert verliert.
Tierische Holzschädlinge
Zu den tierischen Holzschädlingen gehören in unseren Breiten hauptsächlich einige Vertreter der Bockkäfer, wie der Hausbock, oder aber auch der Gemeine Nagekäfer, besser bekannt unter der Bezeichnung „Holzwurm“.Grundsätzlich sollte zwischen frischholz- und
trockenholzschädigenden Insekten unterschieden werden. In unseren
Regionen lassen sich die für das Bau- und Werkholz relevanten Holz
zerstörende Käfer und Ihre Larven meist folgenden verschiedene Familien
zuzuordnen:
Bockkäferarten (Cerambycidae)
Holzschäden durch Bockkäfer entstehen durch die Larven, die sich im Holz entwickeln oder sich dort verpuppen, während der adulte Käfer keine Schäden verursacht. Die meisten Bockkäferarten sind Insekten die Frisch- oder Feuchtholz befallen, was oft zu fehlerhaften Interpretationen führt. So stellt z. B. der Variable Schönbock,
der häufig mit Brennholz in die Häuser geholt wird, keine Gefahr für
verbautes Holz dar. Er benötigt für die Entwicklung seiner Larven,
welche den Holzschaden verursachen, frisches berindetes Totholz.
Verschiedene Bockkäfer wie der Mulmbock oder der Große Eichenbock
haben in der Vergangenheit Schäden unterschiedlichen Ausmaßes
angerichtet, sind aber heute so selten, dass sie unter Schutz stehen.
Unter den Bockkäfern ist allerdings auch der Hausbockkäfer (Hylotrupes bajulus) zu finden, der wichtigste Trockenholzschädling unseres Kontinents.
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Hausbock (Hylotrupes bajulus), Weibchen
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| Systematik |
| Überklasse: |
Sechsfüßer (Hexapoda) |
| Klasse: |
Insekten (Insecta) |
| Ordnung: |
Käfer (Coleoptera) |
| Familie: |
Bockkäfer (Cerambycidae) |
| Gattung: |
Hylotrupes |
| Art: |
Hausbock |
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Der Entwicklungszyklus des Hausbockkäfers
Der Körper der Hausbockkäferlarven erreicht in mehreren
Wachstumszyklen bzw. Häutungen eine Länge bis zu ca. 30 mm, ist
elfenbeinfarbig und deutlich gegliedert. Der Kopf ist am Körper größer
und zeigt neben den kräftigen Fraßwerkzeugen drei beidseitig neben den
Fraßwerkzeugen befindliche Punktaugen. Die Larve erzeugt beim Holzfraß mit ihren Mandibeln
zeitweise deutlich hörbare Geräusche. Diese können als sicheres
Anzeichen für einen aktiven Befall angesehen werden. Nach dem letzten
Larvenstadium verpuppt sich die ausgewachsene Larve dicht unter der
Holzoberfläche. Nach seiner Wandlung schlüpft ein geschlechtsreifer Käfer aus, der einen Kopulationspartner
sucht (Zeitraum Mai bis August). Der Käfer besitzt nur eine sehr kurze
Lebensspanne (ca. 4 Wochen) und nimmt in dieser Zeit keine Nahrung auf.
Die adulten Käfermännchen suchen nach ihrem Ausschlüpfen geeignetes
Holz zur Eiablage auf, dabei wird das Holz anhand der holzspezifischen,
ausströmenden Aerosole auf die Eignung zur Eiablage geprüft. Erst dann
produzieren die männlichen Hausbockkäfer einen Sexuallockstoff,
der die Weibchen anlocken soll. Weiterhin suchen sie einen
Versteckbereich innerhalb der Hölzer, der für die Kopula geeignet ist.
Die Weibchen wiederum suchen nach dem Schlüpfen einen passenden
Sexualpartner. Dabei orientieren sie sich einerseits nach dem Pheromon
der Männchen und andererseits an der Duftintensität der vorhandenen
Hölzer. Es wird das Käfermännchen zur Begattung aufgesucht, bei dem das
Holz die besten Entwicklungsmöglichkeiten für die Nachkommen bietet.
Etwa 2 bis 3 Tage nach der Kopulation beginnt das Weibchen mit der
Eiablage. Die Eier werden mit Hilfe einer flexiblen Legeröhre
in Risse oder Spalten (auch solche die sich aus zimmermannstechnischen
Verbindungen ergeben) möglichst tief „eingeimpft“. Im Verlauf der
Eiablage werden ca. 6–8 Gelege mit ca. 50 Eiern angelegt.Kurz nach der Eiablage bzw. Kopulation versterben männliche wie weibliche Hausbockkäfer.
Aus dem in Holzspalten und Rissen abgelegten Ei schlüpft die Larve
und frisst sich durch das Holz. Die Länge der Entwicklungszeit der
Larve ist stark von verschiedenen Faktoren (beispielsweise
Eiweißgehalt, Feuchte, Temperatur, Art des Holzes) abhängig und dauert
ca. 4–18 Jahre.
Im Gegensatz zum Holzwurm (Anobium punctatum)
erkennt man eine Aktivität nicht an herausquellendem Holzmehl. Der
Hausbock verstopft seine Gänge mit dem Fraßmehl und betritt diese nicht
wieder. Der Befall bleibt daher sehr lange Zeit unentdeckt, da außer
ovalen Ausflugslöchern von etwa vier bis sieben Millimeter Größe ein
Befall rein äußerlich nicht festzustellen ist. Erst nach Aufritzen
einer verbleibenden papierdünnen Holzhaut fällt der Befall auf. Ein
aktiver Befall lässt sich z. B. durch hörbare Fraßgeräusche, frische
Larven- oder Käferfunde, frische Ausflugslöcher etc. feststellen, ein
sicherer Aktivitätsnachweis ist jedoch äußerst schwierig. Die
Hausbocklarve benötigt eine Mindest-Holzfeuchte
von ca. 12%, wobei die ideale Entwicklungsfeuchte bei ca. 30% liegt.
Deshalb tritt ein Befall durch Hausbocklarven auch kaum in den
freiliegenden Holzbauteilen von zentralbeheizten Räumen auf. Ganz
anders verhält es sich bei verbauten Hölzern zum Außenbereich (z. B.
ausgebauter Dachstuhl), hier entwickelt sich ein Mikroklima innerhalb
des Holzquerschnittes, der den klimatischen Ansprüchen der Larven
entgegenkommt. Der Befall konzentriert sich daher im Wesentlichen auf
Dachstühle und Holzhäuser.
Bei der Beurteilung der Gefährdung von Holz durch Insektenbefall
wird häufig die Meinung geäußert, dass 60- bis 80-jährige Nadelhölzer
von Hausbockkäfern nicht mehr befallen werden können. Man geht davon
aus, daß sich essentielle Reservestoffe
im Holz mit der Zeit derart verändern, dass sie für die Insektenlarven
nicht mehr bioverfügbar sind und dass auf diesem Wege ein
insektenvorbeugender Schutz erreicht wird. Da dieser Meinung
umfangreiche Praxiserfahrungen entgegenstanden, untersuchte A. Körting
1961 die Entwicklung von Hausbockkäferlarven in Hölzern
unterschiedlichen Alters. Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeiten sind
in nachfolgender Tabelle zusammengefasst:
Alter der Holzbauteile
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Gewichtszunahme
(50-100mg Gewicht, Mittelwert) |
Gewichtszunahme
(100-150mg Gewicht, Mittelwert) |
| 5 Jahre |
146 mg (Q=86) |
144 mg (Q=64) |
| 59 Jahre |
49 mg (Q=168) |
35 mg (Q=183) |
| 89 - 103 Jahre |
29 mg (Q=253) |
23 mg (Q=381) |
| >360 Jahre |
32 mg (Q=390) |
10 mg (Q=388) |
Q = Quotient aus der zerstörten Holzmenge und der absoluten Gewichtszunahme
Diese Untersuchungen belegen eindeutig, dass eine Entwicklung in
sehr alten Holz durchaus möglich ist und auch stattfindet. Hier die
Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse:
- Die Hausbockkäferlarven zeigten in 5 bis 360 Jahre alten Hölzern
Gewichtszunahmen; eine erfolgreiche Entwicklung ist also in allen
Altersklassen möglich. Mit zunehmendem Holzalter nimmt der Nährwert des
Holzes ab, allerdings nicht soweit, daß eine Larvenentwicklung
unmöglich würde. Die Larven kompensieren die Abnahme des Nährwertes
durch eine Erhöhung der gefressenen Holzmenge.
- Wenn älteres Holz befallen wird, dann ist der Schadfraß in 60 Jahre
alten Hölzern etwa doppelt so hoch, in 100 Jahre alten Hölzer 3-fach
gesteigert und in Hölzern über 350 Jahren etwa 5 bis 6 mal so stark wie
in frischem Holz.
- Der rückläufige Neubefall von älterem Holz ist vor allem auf eine
altersbedingte Abnahme der Attraktivität durch den Verlust von
flüchtigen Holzinhaltsstoffen zurückzuführen. Jüngere Hölzer werden bei
der Eiablage deutlich bevorzugt; bei hohem Befallsdruck werden aber
auch sehr alte Hölzer belegt, die ihre Attraktivität bereits weitgehend
eingebüßt haben. Auch ist gerade bei Sanierungen des Dachstuhls durch
den Einbau neuer Hölzer eine gesteigerte Befallsattraktivität des
Dachstuhls festzustellen. Der Nährwert des Holzes wird von den
Elterntieren nicht geprüft und ist kein Auswahlkriterium bei der
Eiablage.
siehe hierzu auch Körting A. 1961: „Zur Entwicklung und
Schadtätigkeit des Hausbockkäfers (Hylotrupes bajulus L.) in
Dachstühlen verschiedenen Alters“ Anz. Schädlingskunde, 34/10, Seite
150-153 und Neuere Untersuchungen der Bundesanstalt für Materialprüfung.
NAGEKÄFERARTEN (Anobiidae)
Diese Nagekäfer
(auch Anobien genannt) mit Ihrem gedrungenen, meist dunkelbraun
gefärbten Körper sind als Insekten, die Trockenholz befallen, bekannt.
Der wichtigste Vertreter ist hier der Gemeine oder Gewöhnliche Nagekäfer (Anobium punctatum) im Volksmund auch „Holzwurm“ genannt. Eine weitere als Holzschädling relevante Nagekäferart ist der Gekämmte Nagekäfer (Ptilinus pectinicornis),
der unter ähnlichen Lebensbedingungen vorkommt wie der Gewöhnliche
Nagekäfer, im Gegensatz zu diesem aber nur Laubholz befällt.
Der Lebenszyklus des Nagekäfers
Die Larven des Nagekäfers befallen verbautes, also kein frisches Holz (Trockenholzschädling). Aus den in Holzspalten oder Rissen abgelegten Eiern schlüpfen die Larven, diese fressen sich durch das Frühholz. Das Spätholz wird verschont und bleibt lamellenartig stehen.
Nach mehreren Wachstumszyklen verpuppt sich die ausgewachsene Larve. Nach seiner Wandlung schlüpft ein geschlechtsreifer Käfer aus der Puppe, der einen
Kopulationspartner sucht. Die Ausfluglöcher sind rund und haben einen
Durchmesser von ein bis zwei Millimetern.
Nahaufnahme der Holzwurm-Löcher.
Nach erfolgter Befruchtung
legt das Nagekäferweibchen seine Eier in Ritzen, Spalten und Gänge des
Holzes. Hier setzt sich dann der Zyklus weiter fort. Die
Entwicklungszeit der Larve dauert unter günstigen Bedingungen ein Jahr,
bei ungünstigen Bedingungen bis zu acht Jahre; der schlüpfende Käfer
legt seine Eier gern in das Holz, in dem er selbst aufgewachsen ist.
Die Larve des Gemeinen Nagekäfers
Der Nagekäfer ist grundsätzlich flugfähig und kann sich fliegend neue Eiablageplätze suchen. Der Fraß konzentriert sich auf das Splintholz, Kernholz
wird nur selten angegriffen. Sind die Larven aktiv, erkennt man das an
herausquellendem Holzmehl. Legt man schwarzes Papier oder Ähnliches
unter die betroffenen Stelle, sieht man bei Befallsaktivität nach
wenigen Tagen Holzmehl auf dem Papier (Fraßpausen berücksichtigen).
Die Larve des Nagekäfers benötigt eine Mindestholzfeuchtigkeit
von mehr als 10 % und bevorzugt kühlere Orte — deshalb tritt er in
zentralbeheizten Räumen nur selten auf. Kritische Bereiche sind feuchte
Räume oder dort, wo Bodenkühle/-feuchte auftreten kann. Der Befall ist
im Gegensatz zum Befall durch den Hausbock nicht an ein Maximalalter des Holzes gebunden. Der Holzwurm kann also durchaus auch jahrhundertealtes Holz befallen.
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